|
|
|
Dienstag, 12.04.2011
 |
| Hauptorientierungspunkte der Energiepolitik (Foto: strategy-center.ru) |
Russlands Energiestrategie bis 2030
Am 13. November 2009 hat die Regierung „Russlands Energiekonzept bis 2030“ verabschiedet. Sie löst die „Energiestrategie Russlands“ vom 28. August 2003 ab, die bis 2020 gedacht war.
Hauptorientierungspunkte der Energiepolitik (Foto: strategy-center.ru)
|
|
Die Strategie bestimmt die Energiepolitik, deren Ziel die maximal effiziente Nutzung der natürlichen Energierohstoffe Russlands und des Potenzials im Energiesektor ist, um ein stabiles Wirtschaftswachstum zu gewährleisten.
Vergleich mit Kanada und Skandinavien
Als wichtige Ziele bei der Entwicklung des Energiesektors in Russland nennt die Strategie die Integration in die Weltwirtschaft, die Schaffung eines konkurrenzfähigen Marktes und den Übergang zu einem innovativen und energieeffizienten Wachstum. Darüber hinaus verfolgt die Strategie das Ziel, die russische Wirtschaft vom reinen Rohstoffexport weg hin zu einer auf Ressourcen und Innovationen basierenden Wirtschaft zu orientieren und die Volkswirtschaft zugunsten weniger energieintensiver Sektoren zu transformieren. Im Endergebnis soll die Energieeffizienz so weit erhöht und die Energieintensität der Wirtschaft so weit gesenkt werden, wie es in anderen Ländern mit den gleichen klimatischen Voraussetzungen (wie Kanada und Skandinavien) der Fall ist.
Die Energiestrategie macht keine konkreten Vorgaben bei der Entwicklung der Wirtschaft oder ihrer einzelnen Sektoren, sondern bestimmt das Modell der Wirtschaftstransformation. Es ist geplant, dass sich die Wirtschaft vor allem mit Hilfe weniger energieintensiver Sektoren und durch die Realisierung des Technologiepotenzials beim Energiesparen entwickelt.
Dies soll dazu führen, dass der Anteil der konventionellen Energieträger am Export im Jahr 2030 um 40 Prozent niedriger als 2005 sein soll, die Energieintensität des BIP soll auf die Hälfte fallen. Es wird erwartet, dass bis 2030 der Anteil der weniger energieintensiven Industriezweige (Maschinenbau, Leicht- und Lebensmittelindustrie) in der Struktur der Industrieproduktion um 50 bis 60 Prozent steigt und dann etwas mehr als die Hälfte der gesamten Industrieproduktion ausmacht (derzeit 33 Prozent).
Russland setzt auf bewährte Partner
Russland ist einer der führenden Ölförderer: Zwölf Prozent des auf dem Weltmarkt gehandelten Öls stammt aus Russland. Mehr als vier Fünftel seiner Ölreserven verkauft Russland nach Europa, dort liegt der Anteil Russlands bei ca. 30 Prozent. Russland ist auch beim Erdgas führend (verfügt über 23 Prozent der weltweiten Reserven). Auch hier liegt der Anteil russischen Gases in Europa bei 30 Prozent.
Eins der wichtigsten Prinzipien Russlands beim internationalen Energiehandel sei die Wahrung stabiler Beziehungen mit den traditionellen Abnehmern russischer Ressourcen und die Entwicklung fester Beziehungen mit neu entstehenden Energiemärkten, heißt es in der Energiestrategie.
Der russische Energieexport nach Osten (Japan, China, Korea) wird dabei steigen. So soll der Ölexport dorthin um sechs Prozent steigen und einen Anteil von 22 – 25 Prozent am Gesamtexport erreichen, während sich der Anteil des Gasexports von Null auf 20 Prozent erhöht.
Hauptorientierungspunkte der Energiepolitik
Laut der Energiestrategie sind Energiesicherheit, eine energieeffiziente Wirtschaft und ein kostengünstiger und effizienter Energiesektor, der gleichzeitig ökologisch sicher ist, die wichtigsten Orientierungspunkte bei der staatlichen Energiepolitik.
Als größte Bedrohung der Energiesicherheit gilt der Verschleiß der meisten Anlagen und Maschinen in Russland: Im Stromsektor und bei der Gasförderung liegt er bei 60 Prozent, bei der Ölförderung gar bei bis zu 80 Prozent. Zudem bedroht die einseitige Abhängigkeit der Wirtschaft vom Gas die Energiesicherheit. Der Anteil von Gas beim Energieverbrauch im Land liegt bei 53 Prozent.
Wichtigste Reserve Energieeffizienz
Bis zu 40 Prozent des Energieverbrauchs im Land können eingespart werden. Das größte Potenzial liegt in der Wohnungswirtschaft, wo 18 – 19 Prozent der gesamten Einsparmenge zu finden sind. Im Stromsektor, in der Industrie und beim Verkehr können jeweils 13 – 15 Prozent, bei Wärmeversorgung, Dienstleistungen und beim Bau je 9 – 10 Prozent, bei der Treibstoffherstellung, der Verbrennung von Ölgasen und der Energieversorgung von staatlichen Einrichtungen insgesamt 5 – 6 Prozent und in der Landwirtschaft 3 – 4 Prozent eingespart werden.
Der russische Energiesektor trägt zudem besonders stark zur Umweltverschmutzung bei. Auf ihn entfallen 50 Prozent der Schadstoffemissionen in die Atmosphäre, über 20 Prozent der Abwässer und bis zu 70 Prozent der Treibhausgase in Russland.
Die Umrüstung der Energieversorgungsunternehmen soll dabei helfen, den Energieverbrauch und die Schadstoffemissionen zu senken. Die Energiestrategie sieht hierzu die Schaffung von Gasturbinen-Anlagen mit einer Kapazität von 300 – 350 Megawatt vor. Auf ihrer Grundlage sollen hocheffiziente Dampfturbinen entwickelt werden, die mit Kondenswasser funktionieren, eine Leistung von 500 – 1.000 Megawatt und einen Wirkungsgrad von über 60 Prozent aufweisen. Zusätzlich sollen in den Kraftwerken Dampfturbinen mit Kraft-Wärmekopplungsmechanismen und einer Leistung von 100 bzw. 170 Megawatt bei einem Wirkungsgrad zwischen 53 und 55 Prozent aufgestellt werden.
Weiterhin ist die Entwicklung umweltfreundlicher Kraftwerke geplant, die mit gasförmiger Kohle im überkritischen Zustand betrieben werden, einen Wirkungsgrad zwischen 43 - 46 Prozent und eine Leistung von 660 – 800 Megawatt haben. Entwickelt werden zudem Gasturbinen mit 200 – 600 Megawatt Leistung und einem Wirkungsgrad von 50 – 52 Prozent, in denen fester Treibstoff zu einem synthetischen Kohlegas umgewandelt wird. Die Nutzbarmachung von Technologien zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und synthetischem Treibstoff mit Hilfe von gasförmigen und festen Kraftstoffen ist ebenfalls vorgesehen.
Bei der Stromübertragung fordert die Energiestrategie die Schaffung intelligenter Netze (smart grids), die Schaffung von Leitern und Kompositstoffen mit geringem Widerstand, supraleitende Stromspeicher und die Entwicklung von Technologien zur Wasserstoffproduktion.
Pläne für 2030
Laut einer Prognose der russischen Energiebranche für das Jahr 2030 sinkt der Anteil der Primärrohstoffe an der Energieversorgung von 52 Prozent (2005) auf 46 – 47 Prozent, während der Anteil erneuerbarer Energien von 11 auf 13 – 14 Prozent steigt bei gleichzeitiger Senkung der Energieintensität des gesamten Sektors auf weniger als die Hälfte (43- 48 Prozent). Die Ölverarbeitung wird sich besonders schnell entwickeln. Die Tiefe der Ölverarbeitung steigt von 72 auf 83 Prozent zum Ende der zweiten Entwicklungsphase und auf 89 – 90 Prozent zum Ende der dritten Stufe der Realisierung der Energiestrategie.
Sowohl bei der Gasförderung als auch bei dessen Transport und Lagerung verringern sich die Rohstoffverluste.
Die Strategie sieht die Entwicklung dezentraler Energiequellen und der kleinen Wasserkraft in abgelegenen Gebieten vor.
In der Strategie wird festgehalten, dass der Verschleiß des Wärmeversorgungssystems auf 65 – 70 Prozent gestiegen ist. Zugleich wird der auf 50 Prozent gesunkene Wirkungsgrad für die Wärmegewinnung in Kraftwerken und die verschleißbedingte Abnahme des Wärmenetzes um 7 Prozent (über 13.500 Kilometer) bemängelt. Der Stromverbrauch für den Wärmetransport ist auf 40 kWh/Gkal gestiegen.
Dies erfordert einen neuen Ansatz bei der Weiterentwicklung der Wärmeversorgung. Der Anteil der Kesselhäuser an der Wärmeerzeugung in den Fernwärmesystemen soll sich bis 2030 von 49 auf 40 Prozent verringern, indem dezentrale Wärmeversorger entwickelt werden. Die Nutzung von Dämmstoffen und besonders von erneuerbaren Wärmequellen, wie Geothermie, Solarenergie und Biomasse wird erhöht.
Damit soll die Halbierung der Wärmeverluste erreicht werden (von derzeit 19 auf 8 – 10 Prozent im Jahr 2030). Das spart Rohstoffe im Umfang von mindestens 40 Millionen Tonnen SKE ein.
Die Entwicklung alternativer Energiequellen
Schätzungen nach liegt das technische Potenzial von erneuerbaren Energien, insbesondere der Solar- und Windenergie, bei mindestens 4,5 Milliarden Tonnen SKE pro Jahr. Das ist mehr als das Vierfache vom derzeitigen Gesamtverbrauch an fossilen Rohstoffen in Russland.
Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energiequellen (ohne Wasserkraftwerke mit einer Leistung über 25 Megawatt) von 0,5 auf 4,5 Prozent an der Gesamtstromerzeugung steigen. Dazu ist der Bau von kleinen Wasserkraftwerken, Windkraftanlagen, Gezeitenkraftwerken, Geothermalstationen und mit Biomasse betriebenen Wärmekraftwerken vorgesehen. Insgesamt sollen diese eine Leistung von bis zu 25 Gigawatt erzeugen.
Bis 2030 sollen erneuerbare Energien mindestens 80 – 100 Milliarden kWh Strom pro Jahr erzeugen.
Die Modernisierung des konventionellen Energiesektors und der zentralen Wärmeversorgung, die Entwicklung erneuerbarer Energien und autonomer Energieversorgung sowie Energiesparprogramme erfordern Investitionen in Höhe von 2,4 – 2,8 Billionen USD (in den Preisen von 2007).
Die Weiterentwicklung und Präzisierung der Energiestrategie soll mindestens einmal innerhalb von fünf Jahren stattfinden. Dabei wird gleichzeitig ihr Zeithorizont jeweils erweitert.
Quelle: rufo
Text: http://www.atominfo.ru/files/strateg/strateg.htm
Annotation auf English: http://www.energystrategy.ru/editions/es-2030-ies_eng.htm
|
|
|
|