|
|
|
Samstag, 13.06.2009
Erfolgsgeheimnis der Gebäudewirtschaft Dolgoprudny
Das kleine Moskauer Satellitenstädtchen Dolgoprudny mit einer Bevölkerung von gerade einmal 75.000 Einwohnern ist derzeit das Flaggschiff bei den Reformen der kommunalen Gebäudewirtschaft in Russland. Seine Erfahrungen sollen nun studiert werden.
In Dolgoprudny wurde als erster Stadt im Moskauer Umland das System der Hausverwaltung eingeführt. (Foto: ruscity.ru)
|
|
Die Reformen begannen damit, dass Dolgoprudny im Jahr 2000 den kommunalen Dienstleistern 320 Millionen Rubel (12,8 Mio. Euro) schuldete. Das entspricht dem städtischen Budget eines ganzen Jahres. Das Insolvenzverfahren für das städtische Unternehmen "Moswodokanal", das Dolgoprudny mit Wasser versorgt, war bereits eingeleitet worden. Angesichts der erheblichen Abnutzung der städtischen Kommunikations-Anlagen und der großen Anzahl alter Gebäude kam das einer Katastrophe gleich.
Die ersten fünf Prozent
Die Modernisierungsarbeiten begannen mit dem Schweröl-Kesselhaus, einigen anderen kleinen Kesselhäusern und Trinkwasser-Sammelbecken, die wenig Ertrag brachten, aber viel Geld kosteten. Mit den letzten Haushaltsgeldern wurde die Modernisierung finanziert. Der Spareffekt war nicht besonders groß, aber immerhin fünf Prozent konnten bei Wärme, Strom und Wasserrechnung eingespart werden. Damit begann die weitere Entwicklung der kommunalen Wohnungswirtschaft und die schrittweise Abbezahlung der aufgelaufenen Schulden.
Zu der Zeit deckten die Nebenkosten-Zahlungen der Bewohner nur 28 Prozent der faktischen Ausgaben ab, während es russlandweit 70 Prozent waren. Die Stadt erhöhte langsam die Tarife, vergaß darüber aber die Bedürftigen nicht. Russlandweit lag die Norm damals bei 22 Prozent, in Dolgoprudny wurde sie auf fünf Prozent gesenkt. Das heißt, keine Familie deren Pro-Kopf-Einkommen unter 2500 Rubel (damals 80 Euro) lag, musste mehr als 5 Prozent ihres Einkommens für Wohn- Nebenkosten abführen.
Seit 2002 wird von Wohnungsbesitzern eine Gebühr für eine Vollsanierung der Häuser verlangt, davor wurden die Gebäude auf Kosten der Stadt saniert. 2006 wurden Mieten für nichtprivatisierte Wohnungen eingeführt. Seit 2004 gibt es für jedes Haus ein extra Konto, in dem Ausgaben und Einnahmen verzeichnet werden. Sofort wurde ersichtlich, dass in einigen Häusern Gebühren für Sanierung erhoben, aber bislang nicht verbraucht werden, weil sie neu sind, während in anderen Häusern die Ausgaben die Einnahmen um ein Vielfaches übersteigen.
Inzwischen gibt es 19 Kategorien von Häusern in der Stadt mit verschiedenen "Preisen" für Instandhaltung und Sanierung. Jedes Haus hat seinen Tarif, der von verschiedenen Parametern abhängt: Anzahl der Fahrstühle und Etagen, Wohnungen und Müllschlucker und vom Gesamtzustand des Hauses. Dadurch wird eine völlige Transparenz erreicht, wie und wofür Gelder ausgegeben werden.
In Dolgoprudny wurde als erster Stadt im Moskauer Umland das System der Hausverwaltung eingeführt. 2004 wurde eine Ausschreibung unter Verwaltungsunternehmen durchgeführt. Der Gewinner hat 25 Verwalter übernommen und sie ausgebildet und attestiert. Inzwischen gibt es fünf verschiedene Hausverwaltungen. Von 441 Mehrfamilienhäusern haben nur 148 sich noch nicht für eine Hausverwaltung entschieden. Das ist eines der besten Ergebnisse im Gebiet Moskau.
2006 fiel der Startschuss des föderalen Programms zur Reform der kommunalen Wohnwirtschaft. Aus dem Etat wurden dafür 240 Mrd. Rubel (6,67 Mrd. Euro) bereitgestellt. In einer Ausschreibung wurden 16 Städte ausgewählt. Dolgoprudny war Ende 2008 eine der Glücklichen, denen 31 Mio. Rubel (885.000 Euro) für die Modernisierung zur Verfügung gestellt wurde.
Die Gelder fließen in die Renovierung von sechs Häusern, wobei die innere Kommunikation vollständig ausgewechselt, Zähler für Wärme, Strom und Wasser aufgestellt, Dach und Keller repariert und die Fassade isoliert wird.
Auf die Art hat Dolgoprudny, das in der ersten Etappe der Modernisierung fünf Prozent seiner Ausgaben einsparen konnte, sich inzwischen zu einem der führenden Städte im Bereich kommunale Wohnwirtschaft gemausert.
Quelle: Moskowski Komsomolez, rufo
|
|
|
|