Moskau. Bis Ende 2006 stellt Moskau 300 Nahverkehrsbusse auf Flüssiggas um. Die Maßnahme soll Kosten sparen und Schadstoffausstoß verringern. Auch für Privatwagen rechnet sich Gasbetrieb – aber Moskauer Autobesitzer zögern.
Bis zum Ende des Jahres 2006 stellt Moskau 300 Nahverkehrsbusse auf Flüssiggas um, das teilt die für den öffentlichen Nahverkehr zuständige Abteilung der Stadtverwaltung mit. Zurzeit umfasst der Fuhrpark der Stadt vor allem Busse mit Diesel- und Benzinmotoren.
Gas ist für den Nahverkehr eine gute Alternative. Hauptvorteile sind die geringeren Treibstoffkosten und der niedrigere Schadstoffausstoß. Außerdem ist die Laufzeit des Gasmotors doppelt so lang wie die des Dieselmotors, was in erster Linie auf den höheren Reinheitsgrad des Gases zurückzuführen ist.
Auch einer klimatischen Besonderheit werden die Gasmotoren besser gerecht als Diesel- oder Bezinmotoren: Bei den in Russland manchmal extremen winterlichen Minusgraden dürften sie zuverlässiger laufen.
Tank statt Kofferraum
„Gas wird in der nächsten Zukunft vor allem vom öffentlichen Nahverkehr und von privaten Personenbeförderungsfirmen genutzt“, glaubt Gairat Salimow, Analyst beim russischen Finanzinvestor „Troika Dialog“.
Für eine flächendeckende Verbreitung von Flüssiggasmotoren unter privaten Autohaltern gebe es zurzeit noch zu viele Hindernisse, so der Finanzspezialist. „Zu nennen ist beispielsweise die Größe der Tankanlage. Ein Kleinwagen verliert durch die Installation praktisch den Kofferraum. Außerdem verliert der Motor rund fünf bis zehn Prozent seiner Antriebskraft im Vergleich mit dem Betrieb mit Benzin oder Diesel. Und schließlich ist das Netz der Tankstellen, an denen man Gas tanken kann, noch nicht weit entwickelt.“ In Moskau gibt es zurzeit etwas mehr als 50 Flüssiggas-Tankstellen, für ganz Russland wird die Zahl auf etwas mehr als 200 geschätzt.
Nach 27.000 Kilometern schwarze Zahlen
Zudem dürften die verhältnismäßig hohen Anschaffungs- und Installationskosten den russischen Durchschnittsverdiener von der Umstellung seines Pkw auf Flüssiggas abschrecken. Die Installation eines 50-Liter-Gastanks in einem Pkw der Golf-Klasse kostet in Russland ungefähr 8.000 Rubel (rund 235 Euro). Hinzu kommen noch einmal 12 Tausend Rubel (353 Euro) für die Einspritzanlage.
Noch sind wenige Russen bereit, diese Summen zu investieren. Auch wenn die Anschaffungskosten in der Folgezeit durch die niedrigeren Treibstoffkosten wettgemacht werden, wie eine einfache Rechnung veranschaulicht:
Ein Rechenbeispiel
Auf hundert Kilometer Streckenlänge liegt der Verbrauch bei rund zehn Liter Benzin oder 12 Liter Gas. Bei einem Preis von 17,5 Rubel (0,52 Euro) pro Liter Benzin (92 Oktan) und zehn Rubel (0,30 Euro) pro Liter Flüssiggas, spart man mit dem Gastank 55 Rubel (1,61 Euro).
Setzt man, wie im oben genannten Beispiel, die Anschaffungs- und Installationskosten für Gastank und Einspritzanlage in Höhe von 20.000 Rubeln an, so haben sich die Kosten nach rund 36.000 Kilometern amortisiert.
(cj/am/.rufo)
Umweltfreundliche Technologien
Veröffentlicht am 18.07.2006
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