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Dieses Kraftwerk (eine 36 m lange, 18,3 m breite und 15,35 m hohe Stahlbetonkonstruktion) wurde in einem Dock in der Nähe von Murmansk errichtet und dann über 100 km bis Kislaja Guba bugsiert. Es wurde mit einer Goldmedaille auf der EXPO-Weltausstellung in Japan ausgezeichnet. Diese so genannte „russische Baumethode“ wird heute bei der Herstellung von Bohrinseln für die Erdölförderung angewandt.
Das Gezeitenkraftwerk Kislaja Guba wurde Mitte der 90er Jahre wegen finanzieller Probleme konserviert und erst kürzlich wieder in Betrieb genommen.
Einzigartig an dem modernisierten Kraftwerk ist seine rechtwinklige Turbine, die nirgendwo sonst auf der Welt in der Hydro-Energetik zum Einsatz kommt. Ihr Wirkungsprinzip besteht darin, dass sich das Turbinenlaufrad stets in dieselbe Richtung dreht, unabhängig von der Richtung des Gezeitenstromes. Bei der Erzeugung von Windenergie werden solche Aggregate schon seit längerem genutzt. Doch für das Medium Wasser wurde diese Technologie erstmalig im russischen Forschungsinstitut für Energieanlagen entwickelt. Das Aggregat wurde auf der Sewmasch-Werft gebaut, die vor allem für den Bau von Atom-U-Booten bekannt ist.
Der rechtwinklige Rotor verhindert, dass die Turbinenlaufräder die Richtungsänderungen des Gezeitenstroms übernehmen. Dadurch vermindern sich die Betriebskosten des Kraftwerkes um etwa 30 Prozent.
Die Leistung des Gezeitenkraftwerkes Kislaja Guba, wo die Gezeitenhöhe 5 Meter beträgt, macht 400 kW aus. Dieses GKW wurde 1968 als Versuchskraftwerk gebaut. Darüber hinaus sind schon weitere Kraftwerk-Projekte für die industrielle Nutzung in Planung: ein Gezeitenkraftwerk im Weißen Meer und ein weiteres im Ochotskischen Meer.
Im Gezeitenkraftwerk in Mesensk am Weißen Meer wird der erste halbindustrielle Energieblock Russlands mit einer Leistung von 10 MW in Betrieb genommen werden. Nach seiner vollständigen Inbetriebnahme kann das GKW bis zu 20.000 MW erzeugen.
In Penschinskaja Guba am Ochotskischen Meer, bei einer Gezeitenhöhe von bis zu 17 m, kann ein Gezeitenkraftwerk 20 000 bis 90 000 MW erzeugen. Insgesamt verfügt Russland über Ressourcen an Gezeitenenergie, deren Umfang der gesamten Energiemenge entspricht, die heute im Land erzeugt und genutzt wird. Allein durch die Nutzung von Gezeitenkraftwerken an der Kola-Bucht und der Küste des Ochotskischen Meeres könnten etwa 100 GW Energie erzeugt werden. Zum Vergleich: 2 MW sind ausreichend, um eine mittelgroße Siedlung jenseits des Polarkreises zu beleuchten und zu heizen.
Vor kurzem trat das Kyoto-Protokoll in Kraft, das zur Reduzierung der Schadstoffemissionen in die Atmosphäre verpflichtet. Die Länder der Europäischen Union planen, im Rahmen des Protokolls den Anteil erneuerbarer Energiequellen an der gesamten Energiebilanz bis 2010 auf 10 Prozent anzuheben. Die erneute Inbetriebnahme des Gezeitenkraftwerkes Kislaja Guba, das natürlich kein Kohlendioxid freisetzt, kann als Beitrag der russischen Energie-Experten zur Lösung der globalen ökologischen Probleme betrachtet werden.
Quelle: .rufo
Veröffentlicht am 22.11.2005
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