Die Gezeiten haben gegenüber anderen erneuerbaren Energiequellen einen entscheidenden Vorteil: Ebbe und Flut sind berechenbare Größen und permanent vorhanden. Ist man bei Windenergieanlagen, Solarstrom oder Solarwärme stark von den äußeren Gegebenheiten abhängig (Wetter), so sind die Gezeiten zuverlässiger.
Voraussetzungen Für das wirtschaftliche Betreiben eines Gezeitenkraftwerks muss der Höhenunterschied (Tidenhub) zwischen Ebbe und Flut mehr als fünf Meter betragen. Diese großen Höhendifferenzen werden nur in Buchten oder Flussmündungen erreicht, sodass es verhältnismäßig wenige geeignete Standorte gibt.
Funktion
Der beim Gezeitenwechsel auftretende Höhenunterschied des Wasserstandes wird genutzt, um das Wasser bei auflaufender Flut hinter einem Damm aufzustauen und bei niedrigem Wasserstand (Ebbe) abfließen zu lassen. Prinzipiell funktioniert das Kraftwerk (in eine Richtung) also wie ein "normales" Laufwasserkraftwerk (Flusskraftwerk). Zusätzlich wird das Wasser aber auch beim Einströmen in das Staubecken (während der Flut) durch die Turbinen geleitet. Somit ist die Stromerzeugung sowohl beim höchsten als auch beim niedrigsten Wasserstand möglich (siehe Abb.).
Damit diese "doppelte" Nutzung möglich ist, müssen die Turbinen für den Betrieb in beide Strömungsrichtungen ausgelegt sein. Dazu besitzen die Turbinen verstellbare Schaufelräder, die sich jeweils auf die Strömungsrichtung und Strömungsgeschwindigkeit einstellen lassen. Eine andere Möglichkeit ist, das Wasser so umzulenken, dass es die Turbinen bei beiden Prozessen in gleicher Richtung durchströmt.
Projekte Das erste und derzeit größte Projekt ist das Gezeitenkraftwerk an der Mündung der Rance am Golf von Saint-Malo (Nordwestfrankreich). Mit dem Bau wurde bereits 1961 begonnen. Weitere kleinere Kraftwerke gibt es u. a. in Kanada, Russland und China.
Beispiele:
Standort Fertigstellung Leistung St. Malo (Frankreich) 1966 240 MW Fundy-Bay in Neuschottland (Kanada) 1984 20 MW Jiangxia in der Provinz Zhejiang (China) 1986 10 MW Murmansk (Russland) 0,4 MW
Veröffentlicht am 04.06.2007
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