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Leitfaden zur Erhöhung der Energieeffizienz in der Nahrungsgüterindustrie

Der „Leitfaden zur Erhöhung der Energieeffizienz in der Nahrungsgüterindustrie“ ist in Kooperation zwischen der Deutschen Energie-Agentur (dena) und dem Zentrum für Energieeffizienz in Moskau erarbeitet worden. Dieses Handbuch beschreibt technische wie ökonomische Möglichkeiten rationellen Energieeinsatzes in Unternehmen der russischen Nahrungsgüterindustrie. Ziel des Handbuchs ist es, Energieingenieuren das Erkennen und Nutzen vorhandener Energieeinsparpotentiale in den Betrieben zu erleichtern.

Die Nahrungsgüterindustrie wurde aus folgenden Gründen Gegenstand des Leitfadens: Zum einen besteht diese Branche aus einer großen Anzahl von Unternehmen, die alle ähnlichen Bedingungen ausgesetzt sind – es sind ca. 25.400. Zum anderen sind die meisten dieser Unternehmen bereits privatisiert, was ein starkes Interesse an einem effizienten Ressourceneinsatz vermuten lässt.

In der russischen Nahrungsgüterindustrie beträgt der Anteil des Energieverbrauchs je nach Subbranche zwischen 5 – 10% der Gesamtkosten. Einige russische Experten halten dies nicht für signifikant. Bei einem geschätzten Energieeinsparpotential von ca. 40 – 50% lassen sich die Gesamtkosten jedoch um etwa 2 – 5% reduzieren. Energieeffizienz bedeutet, dass eine bestimmte Energiedienstleistung mit einem möglichst geringen Einsatz an Energieressourcen erbracht wird. Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz, insbesondere in den Bereichen der energetischen Grundversorgung wie den Kesselhäusern, den Wärmeversorgungs- und Belüftungssystemen, den Druckluftsystemen, der Beleuchtung sowie der Kühlung, bieten erhebliche Möglichkeiten zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Die Maßnahmen lassen sich folgendermaßen gruppieren:
- Verbesserungen im Management, d. h. Verbesserungen bei der Steuerung von Produktionsabläufen ohne zusätzliche Investitionen außer in Kontroll- und Messgeräte sowie in Informationssysteme;
- Investitionen in zusätzliche Anlagen und Ausrüstungen, z. B. in Wärmeisolierung, Wärmerückgewinnung usw. Diese Maßnahmen können sowohl in bestehenden Unternehmen umgesetzt werden als auch bei Neugründungen von Unternehmen von Bedeutung sein.
- Austausch von Anlagen und Ausrüstungen im Zuge von Modernisierungsmaßnahmen sowie
- Einsatz neuer Prozesstechniken, die sich grundlegend von den bisherigen Techniken unterscheiden.

Ein Großteil der Maßnahmen lässt sich mit vergleichsweise geringen Kosten umsetzen, allerdings nicht zum Nulltarif. Etwa 25 % des Potentials zur Verbesserung der Energieeffizienz lassen sich durch Maßnahmen zur Verbesserung der Ordnung und Organisation erschließen. Diese machen häufig den Erwerb und die Installation von Geräten zur Informationserhebung und -bearbeitung notwendig. Etwa 65 % des Potentials lassen sich durch Verbesserung und Austausch der vorhandenen Anlagen erschließen. All diese Maßnahmen liegen im Kompetenzbereich der Chef-Energieingenieure von Unternehmen und können von ihnen initiiert werden. Die Wirkung neuer Technologien auf Einsparmöglichkeiten wird mit ca. 10 % beziffert.

Weshalb ist ein solcher Leitfaden für die Unternehmen von Nutzen?

Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind die Unternehmen der russischen Nahrungsgüterbranche in der Regel mittelständische oder teilweise auch kleine Unternehmen. Die durchschnittliche Beschäftigtenzahl in den Unternehmen liegt bei 60 Personen. Dies bedeutet, dass viele der Unternehmen nicht in der Lage sind, eigene, qualifizierte Energieingenieure zu beschäftigen, die fähig wären, Energie verbrauchende Anlagen effizient zu betreiben und betriebliche Programme zur Erhöhung der Energieeffizienz zu entwickeln. Selbst in Unternehmen mit 150 – 200 Beschäftigten gibt es in der Regel in der Abteilung des Chef-Energieingenieurs nur eine Person mit Ingenieurwissen. Deshalb benötigen die Unternehmen externe Beratung, um Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz in den Unternehmen zu identifizieren und umzusetzen.

Im heutigen Russland herrscht ein enormer Mangel an qualifizierten Spezialisten für den effizienten Umgang mit Energieressourcen. Mit dem Fortschreiten der Reformen auf dem russischen Energiemarkt wächst der Bedarf an neuen Energieingenieuren zusätzlich. Diese müssen nicht mehr nur Ingenieurwissen, sondern auch ökonomisches Wissen besitzen. Macht ein Energieingenieur Fehler, können diese unter Umständen dem Unternehmen teuer zu stehen kommen. Seine Aufgabe ist es, die richtige Strategie für eine effiziente Energieversorgung des Unternehmens zu entwickeln, für jede Stunde die preisgünstigsten Energieressourcen einzukaufen, die für sein Unternehmen günstigsten Versorgungsverträge abzuschließen, Energie- und Finanzbilanz seines Unternehmens in Einklang zu bringen, ein Monitoring des Energieverbrauchs einzuführen, die Lastgraphiken der wichtigsten Produktionsprozesse zu erheben und ein Portfolio von Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz bereitzuhalten und umzusetzen.

Entscheidungen basieren auf Informationen. Die Aufgabe des Leitfadens ist es daher, den Mitarbeitern der Abteilung des Chef-Energieingenieurs oder des Chefingenieurs eines Nahrungsgüterunternehmens die notwendigen Informationen für die Vorbereitung und Umsetzung von Energieeffizienzprogrammen in leicht zugänglicher Form zur Verfügung zu stellen. Aufgabe des Leitfadens ist es ebenfalls, neue Verhaltensmuster zu etablieren und ein neues Denken der Energieingenieure zu entwickeln. Dies sollte sich nicht nur auf die Absicherung der laufenden Produktionsprozesse richten, sondern auch auf deren Effizienz. Das heißt, technisches Denken muss mit wirtschaftlichem Denken einher gehen.

Es ist Aufgabe des Energieingenieurs dafür zu sorgen, dass wettbewerbsfähige Qualitätsstandards der Produktion sowie sichere und gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten mit dem geringstmöglichen Energieverbrauch erzielt werden. Unter den gegenwärtigen Bedingungen wird die Erfüllung dieser Aufgabe immer anspruchsvoller. Damit sich der Leitfaden nicht zu trocken und abstrakt liest, werden viele Anmerkungen durch praktische Beispiele illustriert. Diese Beispiele sind Ergebnisse von Energie-Audits, die von Cenef im Auftrag der dena in Unternehmen der Nahrungsgüterindustrie des Gebietes Kostroma durchgeführt wurden.

Ein Einführungskapitel (Kapitel 1) gibt Auskunft über die heutige Situation der Branche. Nach starkem Produktionsrückgang in den 90er Jahren, der – wegen nicht in gleichem Maße sinkendem Energieverbrauch – von wachsender Energieintensität begleitet war, weist die Branche seit 1999 Produktionswachstumsraten zwischen 8 und 13 % auf. Mit einem Anteil von 13% an der Industrieproduktion im Jahr 2000 ist sie nach der Brennstoffwirtschaft und dem Maschinenbau einer der bedeutendsten Industriezweige der russischen Volkswirtschaft. 2001 waren in der russischen Nahrungsmittelbranche 1,5 Mill. Menschen beschäftigt. Weit über 90 % der Unternehmen sind privatisiert. Es herrscht vergleichsweise starker Wettbewerb, so dass Betriebskostensenkungen durch reduzierten Energieverbrauch zu erheblichen Wettbewerbsvorteilen führen können. Das Wachstum macht Modernisierungsinvestitionen nötig und möglich. Daher erscheint das Handbuch zur rechten Zeit: bei Modernisierung kann auf Energieeinsatz geachtet werden.

In Kapitel 2 werden allgemeine Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für einen effizienten Energieeinsatz besprochen. Dazu zählen in erster Linie das Abschließen von dem Bedarfsprofil eines Unternehmens entsprechenden Energieversorgungsverträgen, die Wahl des richtigen Energietarifs wie auch eine verbrauchsgerechte Abrechnung. Grundvoraussetzung für die Optimierung von Energielieferverträgen und die Nachvollziehbarkeit von Abrechnungen ist jedoch die innerbetriebliche Energieverbrauchsmessung, welche in vielen russischen Unternehmen noch nicht üblich ist. Insbesondere mangelt es an Messtechnik für den Strom- und Wasserverbrauch. Daher beinhaltet das Kapitel auch eine Erläuterung der Anwendung von Messtechnik.

Kapitel 3 beschreibt einleitend die Struktur des Energieeinsatzes in den Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie. Anschließend werden grundsätzliche Bedeutung einer betrieblichen Energiebilanz, ihr Aufbau sowie das Herangehen in ihre Erstellung erläutert. Exemplarisch wird die Energiebilanz eines Milchverarbeitenden Unternehmens detailliert vorgestellt und ausgewertet.

In Kapitel 4 und Kapitel 5 werden Zweck und Ziele sowie die einzelnen Phasen bei der Realisierung einer energieorientierten Betriebsanalyse (Energie-Audit) erläutert. Kapitel 4 konzentriert sich auf die Diskussion verfahrenstechnischer Verbesserungsmaßnahmen bei der Wärmeerzeugung und -verteilung, der dezentralen Strom- und Dampfversorgung, der Erzeugung und Verteilung von Druckluft und Kälte und diskutiert Maßnahmen der effizienten Beleuchtung. Analog werden in Kapitel 5 Energieeinsparmaßnahmen bei spezifischen Produktionstechnologien der Milchverarbeitung, Brot- und Alkoholherstellung untersucht und vorgestellt.

Kapitel 6 gibt Anleitung zur Ausarbeitung eines Programms zur Verbesserung der Energieeffizienz auf Unternehmensebene. Dabei steht das Herangehen bei der wirtschaftlichen Bewertung möglicher Maßnahmen und Investitionen zur Verbesserung der Energieeffizienz im Vordergrund. In Kapitel 7 werden die wesentlichen Schritte bei der Organisation und Durchführung von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz zusammengefasst. Das beinhaltet die Erläuterung der Notwendigkeit des Festlegens von Verantwortlichkeiten für die Energieeinsparmaßnahmen in jeder Projektphase, vom Aufstellen des Planes, über die Präsentation vor der Leitung des Unternehmens bis hin zur Realisierung des Programms und zur Kontrolle nach Umsetzung der Maßnahmen. Insbesondere in diesem Kapitel wird die erweiterte Rolle der Energieingenieure in den Unternehmen der russischen Nahrungsgüterindustrie deutlich gemacht.

Letztlich widmet sich Kapitel 8 der Frage der Finanzierungsmöglichkeiten von Energieeinsparmaßnahmen in Unternehmen. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass neben der Möglichkeit der Finanzierung aus Eigenmitteln und Krediten auch das Anlagenleasing und Contracting als mögliche Optionen ausführlich erläutert werden.

Das Handbuch ist ab sofort gegen eine Gebühr von RUB 50,00 zzgl. Portokosten zu beziehen bei:

Cenef

E-Mail: cenef-mailbox@mtu-net.ru
Tel.: + 7.095.128 84 91
Fax: + 7.095.128 93 53

Adresse: 117418 Moskau
Ul. Nowotscherjomuschkinskaja 61


Ansprechpartner: Frau Tatjana Shishkina

Veröffentlicht am 23.12.2002

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