Der Neubau in Sankt Augustin stellt einen der zwei Standorte der neuen Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg dar. Baubeginn war der November 1997. Zum Wintersemester 1999 setzte der Lehrbetrieb ein. Der Entwurf entstammte einem Wettbewerb des Landes NRW, der um ein Energiekonzept erweitert wurde.
Zu den Besonderheiten des Gebäudes zählt die Kombination aus Erdkanal und adiabater Kühlung, wodurch auch im Sommer ein komfortables Raumklima erzielt wird. Mit Hilfe einer Optimierung der Luftwechselrate sollen die im Winter zum Teil niedrigen Raumluftfeuchten erhöht werden. Um ungünstige Betriebsweisen und weitere Energieeinsparpotenziale aufzudecken, wird ein Monitoring durchgeführt. Zu diesem Zweck findet eine energetische Vermessung statt.
Die Heizwärme wird durch zwei Gas-Brennwertkessel mit je 600 kW Leistung und Pufferspeicher erzeugt. Die Abwärme von Kleinklimageräten der Lebensmittelkühlung wird zur Warmwasserbereitung genutzt. Ein Gas-BHKW erbringt Abwärme von 76 kW und elektrische Energie von 40 kW. Die Anlage wurde durch einen Contracting-Vertrag mit den Stadtwerken realisiert. Der Strombedarf wird teilweise von netzgekoppelten Solarstromanlagen abgedeckt. Die Solarzellen sind zum Teil als Sonnenschutz in die Dachverglasung der Eingangshalle eingelassen sowie an den südlichen Fassaden angebracht.
Es kamen mineralische Dämmstoffe anstelle von Kunststoff und Holz, bei Fassaden und Fenstern anstelle von Aluminium zu Einsatz. Darüber hinaus wurde eine Regenwassernutzung integriert.
Die Lüftung der Seminarräume erfolgt tagsüber durch die Fenster. Für die Beheizung stehen Radiatoren zur Verfügung. Die Beheizung ist nach der entsprechenden Belegung programmierbar. Im Sommer wird eine nächtliche, passive Querlüftung durchgeführt. Durch Einsatz einer passiven Kühlung wird im Hörsaal auf die klassische Klimatisierung verzichtet. Im Sommer läuft die Vorkühlung über ein Erdregister und darüber hinaus durch adiabate Verdunstungskühlung. Mittels eines Rotationswärmetauschers gibt die Zuluft Wärme an die gekühlte Abluft ab. Im Winter erwärmt das Erdregister zunächst die Luft. Für weitere Erwärmung sorgt die Lüftungswärmerückgewinnung.
Beim Beleuchtungskonzept steht die Umlenkung des Tageslichts durch Oberlichter mit lichtstreuender und transparenter Wärmedämmung (TWD) im Vordergrund. Als Sonnen- und Blendschutz dienen für die Oberlichter und Fenster jeweils getrennte Jalousien, die automatisch angesteuert werden. Ferner ist die manuelle Bedienung möglich. Das Kunstlicht wird über Sensoren abhängig vom Tageslicht geregelt. Sonst wird die Schaltung durch den Nutzer vorgenommen. In den Fluren wird manuell gesteuert.
Die Kosten betragen, bezogen auf die Nettogrundfläche von 27.000 m²:
- für die Baukonstruktion ca. 1.600 €/m²
- für die technischen Anlagen ca. 450 €/m²
- für die gesamten Bauwerkskosten entsprechend ca. 2.050 €/m².
Die Förderung durch das BMWi für die erweiterte Planung und das Monitoring lief vom 1.10.1998 bis zum 31.3.2002 und betrug ca. 500.000 €.
Quelle: BINE Informationsdienst „Innovative Energie-Projekte“
Veröffentlicht am 26.09.2002
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